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Schloß Ludwigslust

Der Fußboden von rund 200 qm im ehemaligen Jagdsaal,  dem heutigen Schlosscafe von Schloß Ludwigslust wurde von akanthus im 1. Quartal des Jahres in äußerst knapper Bauzeit konserviert, in Teilen restauriert und neu beschichtet.
Ludwigsluster Tageblatt Schweriner Volkszeitung vom 25. Februar 2015:

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Das Jahr 2013 begann für akanthus mit einer Türanlage …

Das schwerste Objekt

wurde bei klirrender Kälte im vergangenen Februar wieder eingebaut: die Portaltür des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte. Der annähernd letzte erhaltene Bau des ehemaligen Regierungsviertels steht für das ganze Elend der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Als prachtvolle kaiserliche Kanzlei des Neobarock exakt zur Jahrhundertwende erbaut, beherbergte er die Dienstsitze von Konrad Adenauer in den 20er Jahren und von Hitlers Stellvertreter Albert Speer in der Nazi-Zeit. Das Inferno im Kampf um Berlin fraß sich 1945 in seine Substanz, spätere Modernisierungen taten ein Übriges.

Immer wieder eine Herausforderung im Baudenkmal: Der möglichst elegant verdeckte Einbau hochmoderner Sicherheitstechnologien im historischen Bestand. Von Details zu sprechen verbietet sich, aber ein deutsches Ministerium darf man sich durchaus als Festung vorstellen...

Mit Glück und Recherche förderten wir die bauzeitliche Entwurfszeichnung zutage, welche wichtigste Quelle für die aufwendige Teilrestaurierung der weitgehend ihres ursprünglich üppigen Dekors entkleideten Türanlage wurde. Eine schöne Kontroverse mit dem zuständigen Denkmalpfleger war der Frage gewidmet: Wieweit können wir, wie weit wollen wir rekonstruieren? Ergebnis war unter anderem eine zarte zweidimensionale Erinnerung an das verlorene, äußerst prächtig geschmiedete schmiedeeiserne Fenstergitter: Auf der neuen Türverglasung matt dargestellte Dekorationen gemäß Entwurfszeichnung.

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Truhe des italienischen Hochadels aus dem 15. Jahrhundert

Das älteste Objekt

haben wir noch gar nicht restauriert, sondern – gemeinsam mit Kunsthistoriker und Gemälderestaurator - mittels konzeptionellen Überlegungen, eingehenden Untersuchungen und Laboranalysen versucht, dem Stück aus dem Besitz des  Bundes gerecht zu werden:
Das ruinöse Fragment einer äußerst kostbaren Truhe des italienischen Hochadels aus dem 15. Jahrhundert mit Reliefs szenischer Darstellungen auf bemaltem und punziertem Goldgrund.
Brisanz gewinnt das Stücke  aus einem Aspekt, den man gerade ihm selbst nicht ansehen kann: Museal präsentierte „bedeutende Stücke“ der Renaissance erweisen sich bestürzend häufig als Scheinriesen: Je präziser man sich ihnen wissenschaftlich nähert, desto mehr schrumpfen sie, am Ende steht dann der ernüchternde Befund: Kopie / Fälschung des 19. Jahrhunderts. Denn damals wanderten vemeintliche  Originale aus Italien zu horrenden Preisen in die neuen Säle der rasch wachsenden unersättlichen Nationalmuseen Nordeuropas. Ein schönes Zubrot für begabte örtliche Kunsthandwerker, die angereisten deutschen Professoren erfolgreich ihre brandneu gefertigten und raffiniert gealterten “Kunststücke“ andienten.

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Schmuckfußböden aus Schloss Ludwigslust, einem Juwel des ausklingenden Barock um 1775

Die Tücken des Objekts
 
hielten - neben Ateliers von Fachkollegen - auch das Team von Akanthus das ganze Jahr über in Atem - mit Schmuckfußböden aus Schloss Ludwigslust, einem Juwel des ausklingenden Barock um 1775.
Massive Tafelparkette und wunderbare marketierte Fußböden gehören zu den Charakteristika des zu Unrecht wenig bekannten Fürstensitzes in den Weiten Mecklenburg-Vorpommerns.
Abrieb und Schädlingsbefall, Bearbeitungsfehler sowie  enorme Spannungen der sich lösenden Furnierschichten auf den verkrümmten Tafeln verlangten weitgehenden Ausbau und beträchtliche Detailversessenheit der Restauratoren, um zu akzeptablen Lösungen bei der Sicherung zu gelangen.

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Ein frühgotisches Bürgerhaus, das „Haus zur Sonne“ am alten Marktplatz in Jena

beschäftigte uns seit 2008, ein Restaurierungsabenteuer, das einen eigenen Brief füllen könnte. In einem zum Bauabschluss erschienenen charmanten Lesebüchlein[1] wird es so gewürdigt: „Es gibt kaum ein einzelnes Haus in Jena, in dem man so viel über die Wohnkultur des Bürgertums vom 15. Jahrhundert bis heute erfahren kann...“

Eine extrem geschädigte hölzerne Bohlenwand um 1570 mit äußerst fragilen Fragmenten von Bemalungen (“Polychromien“) zahlloser Zeitschichten wurde behutsam mit großem Aufwand konserviert.
 
Eine großartige dreistöckige Treppenanlage des Barock mit feinen Arkadenarchitekturen, bestehend  aus rund 1600 einzelnen Holzstücken haben wir damals komplett ausgebaut, restauriert und jetzt endlich wieder eingebaut – ein einigermaßen schweißtreibendes und komplexes Unterfangen.

[1] „Die Sonne am Markt in Jena
- Geschichte und Restaurierung“, WEILANDT 2013, Verlag Vopelius Jena

Aula der Kunsthochschule Weißensee

In 2012 die streng zurückhaltende Restaurierung der schönen Holzausstattung in der Aula[1] der Kunsthochschule Weißensee, in Verbindung mit eingedeutschten „Murales“, nämlich großformatigen Wandgemälden realsozialistischen Inhalts ein exzellent erhaltenes  Beispiel für Raumkunst der 50er Jahre in der Bauhaus-Nachfolge.

[1] Entwurf von Selman Selmanagic, Bauhaus-Absolvent und langjähriger Professor an der Kunsthochschule